St. Odilia -
Ortspatronin von Hettingen

Seit 1720 wird in Hettingen das Fest der Ortspatronin St. Odilia gefeiert.


St. Odilia, barocke Statue (um 1730)

Auszug aus der Festschrift:

Hettinger Odilienkult. Vom Ursprung bis zur Gegenwart.
Die Hettinger Odilienverehrung geht nachweislich auf das Jahr 1720 zurück. Denn in diesem Jahre schenkte der Fuldaer Weihbischof Baron von Chloth, Probst des fürstlichen Reichs Stift Fulda, der Hettinger Kirche Reliquien der hl. Odilia.
„Zu Hettingen bey Waltieren (Walldürn) Mayntzischen Bistumbs wird die H. Odilien auf einem ihr gewidmetem Altar verehret“.
Das Odilienfest, hat der zweimal hier als Pfarrer wirkende Amorbacher Benediktinerpater Coelestin Hammel (Hamelius) geb. 26. 6. 1662 in Walldürn und am 24. 2. 1734 gestorben in Amorbach, 1720 eingeführt.
Der 1686 Geweihte Pater Coelestin, war Leiter der Klosterschule, ein Meister an der Orgel und erteilte Orgelunterricht. Allein 228 Kompositionen (Messen, Introitus, Offertorien, Arien) sind von ihm nachgewiesen.
Im Jahre 1698 auf die Pfarrei Hettingen präsentiert, blieb er bis
1701 dahier, wechselte dann nach Hainstadt bis 1719, um dann erneut ab 1720 bis zu seiner schweren Erkrankung 1723 hier seelsorgerisch tätig zu sein. Noch als Pfarrer in Hainstadt stiftete Pater Coelestin Hammel 1719 ein Jahrtag von 30 Gulden der Hettinger Kirche. Bereits zum 13. Dezember 1721 dem Gedenktag der hl. Odilia, schuf Pater Coelestin ein Musikstück für Solo und Chor. (s. Seite 14). Er war es auch, der die hölzerne, farbig gefasste, barocke „Odilienfigur“ anschaffte. In einer herzförmigen Vertiefung in der Brust,
durch Glas geschützt und in Flitter gefasst sind die „Reliquien“ eingelassen. Sie werden am Feste der hl. Odilia, von dort herausgenommen und in einem „Ostensorium“ (kleine Monstranz) getan, und zur Verehrung den Gläubigen und Wallfahrern zum Kuss gereicht.
Ein weiteres Beweisstück, dass 1720 das Fest der hl. Odilia in Hettingen eingeführt wurde ist eine Bestätigung in der Kirchenrechnung von 1721.
„Den Ablaß auf fest Santae Ottiliae von Rom anhero zue bringen ist Postgeldt ausgelegt worden 4. fl.30 kr“
Der 1721 gewährte päpstliche Ablass wurde alle sieben Jahre erneuert, und kam jenen zugute, die am Odilientag 13. Dezember oder am Odilienfest, welches am Sonntag vor dem Fest des hl. Jakobus des Älteren 25. Juli gefeiert wird, die Hettinger Kirche besuchten und dort in der Meinung des Hl. Vaters beteten.
Und in der Kirchenrechnung aus dem Jahre 1722 ist vermerkt: „Auf Festo Sanctae Odilia als das Hohe Ambt undt Vesper von frembden musiciret worten, denselben, wie auch den himmelsträgern undt andern vor einen trunckh gereicht 1.fl.24 kr.“
Ab diesem Zeitpunkt ist das Odilienfest ein fester Bestandteil im kirchlichen Ritual der Pfarrei, mit Hochamt, Vesper und einer Sakramentsprozession durch das Dorf. Damit löste das Odilienfest, den bis dahin in gleicher feierlicher Weise begangenen „Markustag“, ab. (bis zum Weggang von Pfarrer Robert Wohlfarth im Jahre 1976 wurde noch zum Gedenken alljährlich am Markustag 25. April, die so genannte „Markusprozession“ gehalten.