Heddemer Heimattour

Zur 1250 Jahrfeier wird es einen Rundgang in Hettingen geben

Rundgang

 

1.        Spielplatz am Sportplatz  

 

Was kann der Heimatverein tun, um auch bei den Kindern auf seinen 40. Geburtstag (im Jahre 2008 aufmerksam zu machen? Auf dem Gelände am alten Sportplatz (Bolzplatz hinter BMW-Müller) wurde 1998 Jahren auf initiative einer Elterngruppe ein neuer Spielplatz angelegt. Dieser war jetzt in die Jahre gekommen. Verschiedene Gräte waren defekt oder gar nicht mehr vorhanden. Der Spielplatz wird aber eigentlich sehr gut angenommen von den Hettinger Familien mit ihren Kindern. Das Fest 2008 vor Augen war dann die Idee geboren: der Heimatverein schenkt den Heddemern ein Spielschiff für den Spielplatz.

 

Die Stadt Buchen gab das OK, die Ortschaftsverwaltung brachte den Spielplatz wieder einigermaßen auf Vordermann. Unter anderem wurden endlich neue Sitzbänke aufgestellt.  Es musste alle vom TÜV vorgegebenen Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. So darf es auch nicht verwundern, dass der Heimatverein schließlich 10 000 Euro nur für das Spielschiff mit Aufbau aufbringen musste.

 

Der Beton für die Fundamente wurde von Alfons Mackert aus Buchen gespendet und Harald Schäfer von der Fa. Müller, Rinschheim stellte LKW und Bagger für die Erdarbeiten zur Verfügung. Am Freitag, dem 11.04.2008 war es dann soweit. Bei anfänglich schönem Wetter konnte mit dem Stellen und Ausrichten der Pfosten begonnen werden. Später - bei sintflutartigen Regenfällen, die über Stunden hinweg anhielten - musste die angefangene Arbeit vollendet werden. Der   gelieferte Beton konnte nicht warten. Ein Tag später, einem Samstag, konnten die zahlreichen freiwilligen Helfer bei viel besseren Witterungsbedingungen unter fachmännischer Leitung der Herstellerfirma das Werk vollbringen und das Spielschiff fertig aufbauen. 

 

 

 

 

2.        Geras Altersheim

 

Alte Buchener Str. 35

 

Das neue Heim, das 60 Pflegeplätze in vier Wohngruppen bietet, ist eine echte Bereicherung für Hettingen und die gesamte Region.  Mit inzwischen 255 Pflegeplätzen an den vier Standorten in Hettingen, Höpfingen, Merchingen und Mudau ist das Unternehmen der zweitgrößte Anbieter für vollstationäre Pflege im Landkreis. Nach der Grundsteinlegung im Oktober 2022 war Anfang Juni 2023 bereits die erste Bewohnerin eingezogen. Bis Ende Juni war das Heim schon zu einem Viertel belegt. Dass das hauseigene Café nicht nur den Bewohnern und deren Gästen, sondern auch der Bevölkerung offensteht, ist ein besonderes Angebot für die Bürger. Dass der Bauherr Klaus Baier die Eröffnung des Heims in Hettingen, das ihm immer ein besonderes Anliegen war, nicht mehr miterleben konnte, erfüllt uns alle mit Wehmut. Das Café trägt übrigens den Namen „Klaus“ –diese Namensgebung wird dazu beitragen, dass die Lebensleistung des Ideengebers nicht in Vergessenheit gerät. 

 

 

 

 

3.        MEDICA GmbH Hettingen - Ein Rückblick

 

Jahnstr. 2 / Alte Buchener Str. 34

 

Herr Horst Hansberg, ehemaliger Geschäftsführer der Firma Medica hatte 2010 einmal für den Heimatbrief die Geschichte der Firma Medica kurz zusammengestellt:

 

Mehr als ein halbes Jahrhundert hindurch hat die Ortschaft Hettingen an der Entwicklung dieser Firma teilgehabt. Der erste Inhaber, F.  Dyroff, kaufte sie damals in Würzburg auf und verlegte sie anfangs der fünfziger Jahre in den stillgelegten Betrieb einer Firma für Konserven, Sauerkraut und Gurken etc. in Hettingen. Die Firma MEDICA brachte aus Würzburg eine Fabrikation von Injektionsspritzen mit, deren Einzelteile auf Automaten unter der Leitung von Herrn und Frau Gottschalk aus Thüringen hergestellt wurden. Da eine starke Konkurrenz, vornehmlich aus Tuttlingen, schon länger mit diesem Sortiment auf dem Markt war, wurde die Technik in Hettingen stets gezwungen, neue, billigere Wege für die Produktion der Einzelteile aus Glas und Metall zu suchen. Horst Hansberg war seit Anfang 1958 in der Firma der als Exportleiter tätig und konnte nach dem Ausscheiden der Familie Gottschalk deren Leitung für die nächsten 35 Jahre übernehmen. Die Belegschaft wuchs von anfänglichen ca. 10 Mitarbeitern auf später ca. 120 an. Die Anfänge waren insofern schwer, als man in Europa um diese Zeit begann, nur noch Artikel für den Einmalgebrauch zum Wegwerfen herzustellen, weil man aus Gründen des damaligen Personalmangels in den Krankenhäusern keine Spritzen und Instrumente mehr zum Reinigen, Sterilisieren und Pflegen wollte. Alles musste künftig aus Plastik und zum Wegwerfen sein. So stand MEDICA unter großem Druck ein neues Programm zu suchen, für welches aber die bisherigen Automaten umgebaut werden mussten. Durch Manfred Hess, einem gelernten Glasbläser und Fachmann aus Thüringen, der die technische Leitung hatte, konnte ein neues Programm von labortechnischen Gläsern entwickelt werden, welche bisher in Handarbeit von den Glasbläsern in aller Welt produziert wurden. Dabei wurde die innerbetriebliche Aufsicht weitgehend von dem Heddemer Karl Gustav Kirchgeßner betreut. Mit den automatisch gefertigten Teilen hatte man gute Erfolge gegenüber der Handfertigung. Der Export in über 20 Länder nahm ständig zu. Aus Altersgründen und mangelnder Nachfolge verkaufte Herr Dyroff anfangs der sechziger Jahre an die Firma WITEG in Wertheim, die ebenfalls im Laborglas tätig war. Da der SCHOTT–Konzern von aus Mainz aus stark an unseren Artikel interessiert war, und nicht wünschte, dass MEDICA in die Hand der Konkurrenten gelangte, kaufte SCHOTT von WITEK im Jahre 1967 ganze 80 % der Anteile. Dadurch wuchsen die Möglichkeiten für den Absatz weltweit enorm an. Es war allerdings von Anbeginn der Wunsch des riesigen SCHOTT–Konzerns, die daran gemessenen kleine MEDICA mit einer anderen Schott–Tochter in Wertheim zusammenzulegen, um Kosten zu sparen. Dieser Plan scheiterte lange Jahre am Einspruch der 20 % besitzenden Firma WITEC. Nachdem jedoch in rascher Folge die ganze Familie des WITEC-Eigentümers Antlinger verstarb, konnte sich Schott den Wunsch zur Fusion erfüllen.   Trotz voller Auftragsbücher wurde 1999, drei Jahre nach der altershalben Pensionierung von Herrn Hansberg, aus Altersgründern die MEDICA nach Wertheim verlegt und in SCHOTT–MEDICA umbenannt. Ein Teil der Belegschaft konnte sich aus Gründen der Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz zu einem Umzug nicht entscheiden und verlor so die Arbeit in der Firma. Ein anderer Teil nahm die Last der weiten Anfahrt auf sich und arbeitet bis heute in Wertheim.

 

 

4.        FC Viktoria Turnhalle, Umkleideräume

 

 

 

Alte Buchener Str. 25

 

Im Herbst 1955 kam Pfarrer Heinrich Magnani in die Gemeinderatssitzung und schlug vor, eine reine Turnhalle zu bauen. Deshalb hatte er auch schon den Architekten Hubert Reichert aus   Karlsruhe mitgebracht. In dieser Sitzung des Gemeinderates wurde der Bau beschlossen und Architekt Reichert bekam den Planungsauftrag. Beim 35. Jubiläumsfest des FC Viktoria und Treffen der Alt-Viktorianer im Nebenzimmer der Krone stiftete Hettingerns ehemalige FC-Tormann Heinrich Müller - nun Mannheim-Sandhofen (in Heddje nur als Gool- Heiner bekannt -) ein Grundstück zum Bau der Turnhalle und eines Sportplatzes.

 

Eine größere Spende des ehemaligen FC-Vorstands Hans Leo Böhm aus Offenbach gab dem FC den Anstoß, zusammen mit der Gemeinde eine Sportanlage zu bauen. Während der Bau der Turnhalle allein Auftrag der Gemeinde war, brachten sich beim Bau des vereinseigenen Sportplatzes viele Mitglieder mit ein, wobei Wendelin Müller als 1. Vorsitzender und Friedrich Blatz als 2. Vorsitzender des FC Viktoria sich besonders auszeichneten, auch als Geschäftsleute besondere Leistungen erbrachten.  Mit einem gemeinsamen Fest vom 13. bis 15. August 1960 wurde die vorbildliche Sportanlage – die weit und breit ihresgleichen suchte - eingeweiht und in Betrieb genommen. Die Turnhalle wurde 1986 erweitert zur heutigen Form, während der FC Viktoria ein größeres Vereinsheim anbaute.

 

 

 

 

5.        Perlkranzfabrik

 

Alte Buchener Str. 21

 

Mit der Einführung des elektrischen Stroms etwa 1919/1920 eröffnete Heinrich Kast aus Walldürn in der alten Krone (Wohnhaus von Xaver Müller) eine Perlkranzfertigung. Auch wurde in Hettingen Heimarbeit von der Firma vergeben. Das Unternehmen entwickelte sich so gut, dass man in größeren Räumen produzierte, im früheren Saal des „Gasthaus Linde“. Doch durch die Inflation stellte die Firma1923 den Betrieb ein. Bürgermeister und Bauunternehmer Christian Gremminger und die beiden Compagnon Kieser und Schachner aus Walldürn beschäftigten im Neubau in der Alten Buchener Str. 21 über 50 Frauen und Mädchen. Als der Perlkranzschmuck auf den Gräbern aus der Mode kam stellte die Firma anfangs der 1930er Jahre die Produktion ein.

 

 

6.        Café Frank (Apotheke)

 

Neue Buchener Str. 23

 

Das von Theodor Frank (der vom „Glascher Frank“ aus Walldürn stammte, verheiratet mit der Hettingerin Lydia Kuhn) erbaute Wohnhaus wurde zum Teil selbst genutzt. Das Erdgeschoss war vermietet. Dort hatte die Stadtapotheke Buchen zu Beginn der 50er Jahre eine Filiale eingerichtet. Ein Jahrzehnt später eröffnete Theodor Frank das „Café Frank“, das alsbald viele Bundeswehr-Soldaten der nahen Standorte, aber auch die Hettinger Jugend gern besuchten. Das „Café Frank“ wurde 1973 geschlossen.

 

 

 

7.        Lehrerwohnung - Kinderheim – Studio M  

 

Neue Buchener Str. 16

 

Die Gemeinde war verpflichtet, Wohnraum für die Lehrer zu schaffen und erbaute deshalb 1908 in der Neuen Buchener Straße ein ansehnliches Gebäude. Dieser imposante Bau aus dem schwer zu bearbeitendem hiesigem blauem Kalkstein, dessen Fassade heute noch so aussieht wie vor über hundert Jahren, zeugt vom Können der Hettinger Maurer. Das Haus wurde ab 1967 bis Mitte der 1970 Jahre als Heilpädagogisches Kinderheim von den Diplom-Psychologen Dr. Bergmann und Dr.  Diefenbach für 24 Jungen von 4 bis 17 Jahren genutzt. Nach kurzeitiger Nutzung als Wohnunterkunft für Asylanten und längerem Leerstand kaufte das Hettinger Ehepaar Gerhard und Liz Merkert das Anwesen um 1990 und richtete dort das Fotostudio „M“ und ein Innenarchitektenbüro ein. Durch Verkauf des ganzen Areals 2022 ging die ehemalige Lehrerwohnung an den neuen Eigentümer über.     

 

 

 

8.        Bildbuckel, Scharfrichter Schönbein, Mord, Auswanderung

 

Amorbacher Str. / Ecke / Alte Buchener Str.

 

An der Weggabelung des ehemaligen Fahrwegs (heute Alte Buchener Straße) und der Walldürner Straße (heute Amorbacher Straße) befindet sich der Bildstock „Großes Kreuz“, errichtet von Maria Anna Schönbein, geborene Falk und ihres verstorbenen Ehemanns Georg Adam Schönbein (der Scharfrichter, *26.9.1801 Hettingen +26.4.1870 Hettingen). Hier wohnten die echten „Nazis“ von Hettingen. Der letzte Besitzer war der „Nazisch Karl“ der hier mit seiner Familie lebte. Er wuchs mit seinen Geschwistern Mina, Hermann, Max und Ottmar in der Alten Buchener Straße 1 auf. Hermann, der spätere Hettinger Polizeidiener, brüstete sich in fröhlicher Runde immer wieder, „dass wir die echten Nazis sind, die schon vor und nach der damaligen Nazizeit Nazis sind und bleiben“, denn ihr Vater hieß Ignaz Müller, zu dem alle im Dorf nur „Nazi“ sagten.

 

 An dieser Stelle wurde auch Barbara Weis 1839 von ihrem Liebhaber Johann Josef Kirchgeßner ermordet. Der verurteilte Mörder Johann Josef Kirchgeßner wurde nach 15 Jahren Aufenthalt im Zuchthaus auf Kosten der Gemeinde nach Amerika ausgewandert. Siehe auch Gasthaus Engel

 

 

 

9.        Kaufhaus Heffner und Meyerschmied 

 

Amorbacher Str. 24 / Amorbacher Str. 5

 

Das Kaufhaus Heffner war vormals Krämerladen des August Kuhn (ein Onkel von Wilhelm Heffner), der um 1950 das alte Gebäude abriss und ein modernes, heute noch so erhaltene Kaufhaus baute. Wilhelm Heffner kaufte Löwenzahnköpfe, Schnecken, Pilze, Kirschkernsteine und hat somit manchem ein paar Pfennige Nebenverdienst ermöglicht. Durch die größere Konkurrenz der Diskountermärkte gab der Junior Willi Heffner, der eine gut gehende Getränkehandlung mit aufgebaut hatte, das Geschäft auf.

Die „Meyerschmiede“ erwarb der sich auf der Walz befindliche Wandergeselle Konrad Meyer aus Weißenstadt (Fichtelgebirge), der 1903 nach Hettingen kam. Er heiratete Anna Magdalena Bechtold, älteste Tochter von Johann Bechtold, dem Feldscher und Wundarzneidiener, wohnhaft dübbe Baach. Heute ist es das Wohnhaus von Thomas Lindenau. Konrad Meyer, Hufschmied, spezialisierte sich auf Windenbau. Er erwarb von einer Firma aus Dresden einen Windmotor, der ihm die Drehbank und den Eisenhammer antrieb. Meyer fertigte neben den handwerklichen Werkzeugen auch landwirtschaftliche Gerätschaften; auch Hufbeschläge konnte er ausführen. „Meyer kann drehen“ war sein Gütezeichen. Als Dorfschmied war er über die weitere Umgebung hinaus sehr bekannt.

 

 

 

 

10.      Schmiedsbuckel - Schuster Knapp – Engel

 

Schmiedsbuckel 1 / Amorbacher Str. 12 / Amorbacher Str. 3

 

 

 

Schuhmacherei Mackert

 

Am Schmiedsbuckel gleich links gings eine Treppe hinauf zur Schuhmacherei Mackert, die von Julius Mackert gegründet wurde und vor und nach dem Zweiten Weltkrieg mindestens zwei Gesellen und zwei Lehrlingen Arbeit gab. Neben der Neuanfertigung von Sonntags- und Werktagschuhen wurden auch Reparaturarbeiten geleistet. Die Schusterei ging nach dem Krieg auf den Sohn, Schuhmachermeister Ottmar Mackert über, der wiederum an den Sohn Otto übergab. Die Werkstatt wurde Ende der 1950er Jahre aufgegeben.

 

 

 

Schusterei Alois Knapp (Haus abgerissen)

 

Das Haus wurde im Februar 2021 abgerissen. Seine Schusterei war ein ebenerdiger, kleiner Raum, in dem er Reparaturen erledigte. Neben der Schusterei betrieb Alois Knapp noch eine kleine Landwirtschaft.

 

 

 

Gasthaus Engel 

 

Wann die Schankerlaubnis dem Hettinger Gasthaus Engel erteilt wurde, ist leider nichtnachweisbar. Unter den fünf einstigen Hettinger Gastwirtschaften Linde, Krone, Ochsen, zur Wanderlust, war der Engel auch ein renommiertes Gasthaus. Unweit vom Latschari mitten im Dorf gelegen, dort, wo der Weg des Schmiedsbuckel von der Amorbacher Straße abzweigt, steht auf der gegenüberliegenden Seite das große Engel-Areal mit Wirtshaus, Schlachthaus und Scheune. Durch zwei Eingänge konnte man in die Wirtschaft gelangen, wobei der hintere Eingang am meisten benutzt wurde.

 

In den Fokus der badischen Justiz rückte das Gasthaus Engel im September 1839. Dies beschreibt Altbürgermeister Karl Knühl im Heimatbuch von 1974 wie folgt: Unweit des Gasthauses geschah am Knopfhof ein Liebesmord. Der zuständige Oberamtmann Lichtenauer aus Buchen, der die Ermittlungen führte, verlegte sein Amtszimmer ins Gasthaus Engel, wo er mehre Tage lang in der oberen Stube Zeugen verhörte. Lichtenauer gestatte auch, dass der Mörder - der ihn darum gebeten hatte - den Leichenzug seiner Geliebten sehen durfte.  So wurde der Mörder schwer bewacht vom Gefängnis in Buchen, wo er einsaß, nach Hettingen gebracht und konnte vom Obergeschoß des Engelwirtshauses hinter einem Vorhang durchs Fenster den Leichenzug vorbeiziehen sehen, wobei er aber keinerlei Regung zeigte. Danach wurde er wieder nach Buchen ins Gefängnis verbracht. Soweit Altbürgermeister Knühl.

 

 

Außer der größeren Dachgaube und anderen Fenstertypen hat sich am der Außenfassade des ehemaligen renommierten Gasthauses „Zum Engel“ nichts verändert. Das schon Jahrzehnte geschlossene Wirtshaus gehörte bis Mitte der 1930 er Jahre der Familie Kreuzer. Der letzte Besitzer aus dieser Familie war der legendäre Edmund Kreuzer, der sich einmal in einer Gesellschaft als „Max Mirando“ ausgab, Hofschauspieler aus Berlin, und sich dann im Alter sehr gerne als „Alt-Engelwirt“ anreden ließ. Das Gasthaus mit seiner Metzgerei war einst nicht nur ein Treffpunkt der Geselligkeit, sondern die Wurstwaren waren ein Geheimtipp. Der Hettinger Josef Dittrich, von Beruf Metzger, der mit Lioba Weis verheiratet war, erwarb das gesamte Anwesen Engel und betrieb dort die Wirtschaft und Metzgerei. Zur deutschen Wehrmacht eingezogen und nach Russland abkommandiert, ist er mit 32 Jahren 1944 in Russland gefallen.

 

Als das von den Liobaschwestern geleitete Monikaheim aus Mannheim ausgebombt war, fanden deren Bewohner für einige Zeit im Sommer 1945 Obdach im Engel. Ebenso waren auch für kurze Zeit Leute eines Altersheims aus Mannheim hier untergebracht. Als dann ab 1946 die Heimatvertriebenen kamen, wurden im Engel die Familien Reiser, Aschenbrenner und Hauck untergebracht, während im oberen Stockwerk die Besitzerin Lioba Dittrich mit ihren Kindern Werner und Gertraud wohnten.     

 

Josef Daum, ein Metzger aus Mannheim, war dann ab 24.Januar 1946 einige Jahre auf dem Engel, ehe dann Ludwig und Hedwig Klemens aus Hainstadt am 15.Oktober 1952 Wirtschaft und Metzgerei übernahmen. Nach dem plötzlichen Tod von Ludwig Klemens im Herbst 1954 gab dann die Witwe Hedwig am 15.April 1955 auf und zog mit ihren drei Kindern wieder nach Hainstadt. Am 16.April 1955 war dann das Ehepaar Hans Riemer, ein Heimatvertriebener Hettinger, in der Magnani-Siedlung wohnend, Pächter, gab aber schon am 30.Juni 1955 aus familiären Gründen wieder auf. In dieser sehr kurzen Zeit hatte sich das Ehepaar Riemer als Gastwirt mit sehr guter Metzgerei einen großen Kundenkreis aufgebaut. Zum 1.Juli 1955 übernahm dann der Buchener Metzger Helmut Schmitt mit Ehefrau Jonny für mehrere Jahre Wirtschaft und Metzgerei. 1957 wurde die Scheune abgerissen und an der Stelle ein neues Schlachthaus erbaut. Es folgte Georg Dürr mit Ehefrau aus Grünsfeld, die mehrere Jahre dann eine florierende Wirtschaft und erstklassige Metzgerei betrieben, ehe sie in der Wertheimer Altstadt eine gut gehende Metzgerei übernahmen.

 

Nach seiner Heirat übernahm der Inhaber, Metzgermeister Werner Dittrich und seine Frau Marga Lokal und Metzgerei und führten beides zielstrebig weiter. Der kleine Saal über der Wirtschaft wurde als „Twistbar“ eingerichtet, um der Hettinger Jugend die Möglichkeit zu geben, bei Schallplattenmusik die neu aufgekommenen Tänze auszuprobieren. Einige Jahre führte dann Angela und Karl Hollerbach die Gastwirtschaft, ehe danach Werner Dittrich einen Lebensmittelladen eröffnete und eine längere Zeit betrieb. Er richtete noch das Vesperstübchen ein, ehe dort eine Kanzlei für Vermögensbildung längere Zeit untergebracht war.

 

In der wechselvollen Geschichte des Gasthauses Engel, in dem das gute Zipf-Bier aus Tauberbischofsheim ausgeschenkt wurde, darf nicht unerwähnt bleiben, dass hier am 15. August 1920 der Fußball-Club Viktoria Hettingen gegründet wurde und der Engel jahrelang das Vereinslokal war. Ferner wurde ebenfalls im Engel am 31.Mai 1963 die Hettinger DLRG aus der Taufe gehoben.

 

 

 

11.     Bäckerei Kraus – Konsum

 

Amorbacher Str. 8 und 6

 

 

 

Bäckerei Philipp Kraus

 

Alois Kraus aus Hollerbach heiratete die Tochter von Eugen Philipp, der dort ebenfalls eingeheiratet hatte und Bruder zu Christian Philipp war, der in Buchen gegenüber der Metzgerei Herkert ein Eisenwaren Geschäft betrieb. Der eigentlichen Namen der Bäckerei war Knappe Baschle. Ein Vorfahre (oder früherer Besitzer) muss Sebastian Knapp geheißen haben, wovon sich der Kurzname „Knappe Baschlisch Beck“ ableitet.  Alois. Kraus war sehr bekannt durch seine Kümmelstöllchen.

 

 

 

 

 

Konsum

 

Im Haus nebenan, das vormals der Familie Steichler gehörte, wohnte Emil Schweigert,. Dessen Tochter wurde in der Lehmegrube verschüttet, wovon der Bildstock an der Giebelseite zur Talgasse kündet.  Der Besitzer Emil Schweigert, Landwirt, hatte mit noch einigen Mitstreitern ein Kolonialwarengeschäft ebenerdig eröffnet, der der Konsum-Genossenschaft (eine besondere Form im Einzelhandel, die in erster Linie Nahrungs- und Genussmittel sowie verwandte Waren des täglichen Bedarfs beschafft, um 1850 gegründet) angeschlossen war. Das Geschäft wurde nur der Konsum genannt. Die „Konsumsch Annelies“ war die letzte Besitzerin des Ladens.

 

 

 

 

12.     Steinbruch - Kegelbahn 

 

 Talgasse 14 Steinbruch - Kaisers Garten

 

Heute Talgasse 14, befand sich ein Steinbruch mitten im Ort. Die umliegenden Gebäude sind alle auf dem Felsen aufgebaut. Später war es der Garten vom Lehrer Kaiser und seinen Bienen und jahrzehntelang ein Naturspielplatz mitten im Ort. Durch den Hausanbau von Artur Scheuermann 1971 wurde der ganze Steinbruch mit Bauschutt aufgefüllt und mit 60 LKW-Ladungen Mutterboden bedeckt.

 

 

 

 

 

Talgasse 16 Kegelbahn

 

 

 

Das Gasthaus zur Krone erbaute Ende des 19. Jahrhunderts in den Thalgärten (Talgasse 16) einen Eiskeller für die kühle Lagerung des Bier. Der Keller ist heute noch im besagten Wohnhaus vorhanden mit immerhin einer imposanten Höhe von über drei Meter. Auf dem Eiskeller, der in den Felsen gehauen wurde, befand sich eine Kegelbahn, angepasst an das längliche Fundament des Gebäudes. Seit Jahrzehnten ist das Gebäude durchgehend bewohnt. Bekannt auch als das Haus vom verstorbenen Ellwangersch Karl, dem früheren Hausmetzger von Hettingen

 

 

13.     Gasthaus Krone

 

Amorbacher Str. 1

 

Der Erbauer des Gasthaus Krone war Adam Wegert 1897, der gegenüber schon die Wirtschaft zur Krone betrieb (Haus von Xaver Müller). 1908 erwarb der Metzgermeister Karl Ellwanger, der zuvor das Gasthaus Sonne - Lokal und Metzgerei - in Buchen betrieb, das Anwesen. Karl Ellwanger wurde alsbald durch seine Wurstwaren, vor allem seine exzellente Fleischwurst, im ganzen Umland sehr geschätzt.1949 übernahm der Schwiegersohn Ludwig Bundschuh aus Gerolzahn, der die jüngsten Tochter Anna geheiratet hatte, Wirtschaft und Metzgerei, die nach seinem Tode 1972 sein Sohn Gerd Bundschuh weiterführte. Dieser gab infolge Nachwuchsmangels auf und das Gebäude wurde 2021 an einen neuen Besitzer aus Rinschheim verkauft.

 

 

 

 

14.     Latscharie

 

Amorbacher Str. / Morrestr. / Neue Buchener Str.

 

Hier ist der Dorfmittelpunkt. Dort, wo die Neue Buchener Straße, die Amorbacher Straße (ehemalige Walldürner Straße) die Talgasse, die Römerkastellstraße (ehemals Eulsbergweg), die Rinschheimer Straße und die Eberstadter Straße sich treffen, schlägt der Puls der Gemeinde. Hier trifft und traf sich die Jugend besonders unter dem Vordach der Waltenbergscheuer mit dem Bildstock Maria Krönung an der vorderen Ecke. Die Scheune wurde 1974 abgerissen, weil sie ein Verkehrshindernis war.

 

Willi Kirchgeßner hat den Namen erklärt: ein Pater, der nach dem 1.Weltkrieg Mission in Hettingen hielt, hat in seiner Predigt erwähnt, dass die, welche nicht in der Kirche sind, sich wohl am „Latschari“ aufhalten. Seit dieser Zeit wurde der Ortsmittelpunkt Latschari genannt. (Das Wort ist im Alemannischen verwandt mit latschen, träge herumschlendern)

 

 

15.     Maurerbrunnen – Feuerwehr

 

Morrestr. 6

 

 

 

Maurerbrunnen

 

Der Heimatverein wurde immer angegangen, dass er ein Haufen Geld hat und hortet, er soll doch dies für die Allgemeinheit sichtbar verwenden.  So wurde in der Vorstandschaft beratschlagt und beschlossen, einen Dorfbrunnen zu errichten mit dem Motiv „Heddemer Maurer“. Ortsvorsteher Willi Ellwanger, der einstmals das schwere Maurerhandwerk erlernt hat, war sofort Feuer und Flamme. Spenden wurden gesammelt und die   Zusage gegeben, dass die politische Gemeinde mit diesem Projekt „Brunnen“ dem einst in Hettingen sehr dominanten Maurer-Beruf ein Denkmal setzt. Der Künstler Klaus Rother, Kitzingen, schuf die Figur und der Maurerbrunnen, der am Standort des ehemaligenalten Fach-Werk Rathauses steht, das 1969 abgerissen wurde, konnte im April 1996 durch Pfarrer Peter Schoisengeyer eingeweiht. Verantwortlich für die Planung und Durchführung des Baus waren die beiden Heddemer Emil Mackert (Feuerwehrkommandant) seitens des Heimatvereins und Willi Ellwanger als Ortsvorsteher.  

 

 

 

Feuerwehrgerätehaus.

 

Nach dem Abriss des Fachwerkrathauses 1969 wurde die Scheune des ehemaligen Farrenstalls (Auflösung der gemeindlichen Vatertierhaltung, die dem Bauer Fabian Müller in private Hände gegeben wurde) zum Feuerwehrgerätehaus umgebaut und im Sommer 1969 feierlich durch Ortspfarrer Robert Wohlfahrt im Beisein von Landrat Hugo Geisert und der Prominenz der Kreis-Feuerwehr eingeweiht - gleichzeitig mit der Indienststellung des ersten Feuerwehr-Lösch-Autos der Hettinger Wehr -.

 

 

 

 

16.     Lindensaal – Lindenkeller

 

 

 

Schwedensteinstr. 27

 

 

 

Lindensaal-Keller

 

Der Hettinger Lindenwirt Max Baier und seine Frau Irmgard geb. Mackert betrieben neben der Gastwirtschaft mit Fremdenzimmer auch noch eine kleine Landwirtschaft sowie eine Schnapsbrennerei. Im kleinen Saal über der Wirtschaft fanden manche Vereinsfeierlichkeiten statt, während in den 1920er Jahren dort etwa 20 Frauen und Mädchen der Perlkranzfirma Kast arbeiteten.1953 entschloss sich Max Baier auf dem Gelände oberhalb seiner herkömmlichen überdachten Kegelbahn (die nach einer Renovation einstürztet) einen größeren Saal zu bauen. Dieser konnte bereits 1954 seiner Bestimmung übergeben werden. Seit dieser Zeit stand der Lindensaal der Gemeinde und Vereinen zu deren Veranstaltungen immer zur Verfügung. Hier fand das kulturelle Leben der Gemeinde, auch Kino, Tanz und Theater sowie überörtliche Festlichkeiten aller Art statt. Der Schützenverein nutzte die Bühne bis zum Bau des Schützenhauses als 10-Meter-Luftgewehrstand für Übung und Rundenwettkämpfe. Die nötige Erweiterung und Neugestaltung des Lindensaals konnte nach dem Verkauf des gesamten Lindeareals an die Stadt in Angriff genommen werden. Während Wirtschaft und Fremdenzimmer zu Wohnungen umgebaut wurden, nahm Ortsvorsteher Willi Ellwanger sich des über 40 Meter langen Felsenkellers mit Eiskeller an, der nach gründlicher Renovierung nun für Festlichkeiten genutzt werden kann.

 

 

 

 17.   Eiermann – Magnani Dokumentationsstätte

 

 

 

Adolf Kolpingstr. 29

 

 

 

Zum 100. Geburtstag und 20. Todestag von Ehrenbürger Geistlichem Rat Pfarrer Heinrich Magnani im Jahre 1999 ergriff Karl Mackert 1998 die Initiative und lud gleichgesinnte Hettinger Männer und Frauen ein zwecks Gründung einer Interessengruppe „100 Jahre Pfarrer Heinrich Magnani Hettingen“. Ziel war, das Leben des Geistlichen von der „Wiege bis zur Bahre“ auf den Weg zu bringen, was auch gelang: Viele Archive in Deutschland wurden gebeten vorhandenes Material über Magnani zur Verfügung zu stellen. So konnte dann Im Juli 1999 eine Erinnerungsstätte im Rathaus eingeweiht werden und anschließend in einem Festakt im Lindensaal die Ausstellung „Eine Gemeinde erinnert sich, 100 Jahre Heinrich Magnani“ eröffnet werden. Der Süddeutsche Rundfunk berichtete freitags zuvor in einer einstündige Livesendung aus dem Lindensaal mit Hettinger Bürgern über das sehr bewegte Leben des Ehrenbürgers. Die Ausstellung war dann über 8 Tage im Lindensaal aufgebaut und hatte zahlreiche Besucher, auch von auswärts, zu verzeichnen. Einige Jahre waren die Ausstellungsstücke gut im Rathaus verwahrt, als der Hettinger Grafiker und Designer Jürgen Blatz auf Karl Mackert zuging und forderte, dass diese für die Geschichte der Gemeinde so wichtige Dokumente kommenden Generation in einer Dauerausstellung gezeigt werden muss. Blatz bot seine künstlerische Arbeit unentgeltlich an und forderte die Interessengemeinschaft auf, Geld für die Materialkosten zu beschaffen. Hierbei ist die großherzige Spende von Dietmar Hopp - dem großen Mäzen aus Hoffenheim - besonders zu erwähnen. So konnte dann 2008 im Lindensaal die Ausstellung auf Tafeln der Öffentlichkeit präsentiert werden, die heute im Rathaus ständig aufgebaut und zu besichtigen ist.

 

Bei dieser Präsentation kam Manfred Pfaus, langjähriger Landtagsabgeordneter und Hettinger Bürger, zusammen mit dem ehemaligen Bürgermeister und Ehrenbürger Josef Frank auf Karl Mackert zu und eröffnetem ihm, dass man ernsthaft sich der Sache annimmt und man bestrebt ist, das letzte noch im Originalzustand befindliche Siedlungshaus käuflich zu erwerben. Manfred Pfaus lud zur im Dezember 2008 ins Rathaus ein, wobei der Verein „Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte“ gegründet wurde. Auf Initiative des Architekten Roland Müller konnte das Haus Hutter-Fleck vom Verein käuflich erworben werden. Durch geschicktes Taktieren des Vorsitzenden Manfred Pfaus konnte das „Haus der Geschichte Baden–Württemberg“ sowie die „Wüstenrot-Stiftung“ ins Boot geholt werden, um dieses erste Zeugnis gelebter Nächstenliebe nach dem 2. Weltkrieg hier in Hettingen in den Urzustand zurück versetzen zu können, Viele Beratungen und Sitzungen des Denkmalamtes, namhafter Architekten und vor allen Dingen der Wüstenrot-Stiftung unter der Leitung des Geschäftsführers  Philip  Kurz fanden hier statt bis es soweit war, dass am 18. Juni 2018 nach vorausgegangenem Gottesdienst in der Pfarrkirche und Feststakt im Lindensaal das Siedlungshaus durch Pfarrer Dekan Johannes Balbach von der katholischen und Pfarrerin Irmtraud Fischer von der evangelische Kirche geweiht werden konnte. Seit dieser Zeit wird das Museum in seiner Einmaligkeit in ganz Deutschland viel von einheimischen und auswärtigen Gästen besucht.

 

 

 

18.     Fritzen Tankstelle

 

 

 

Morrestr. 55

 

 

 

Hufschmiedemeister Friedrich Kirchgeßner eröffnete 1926 eine Schmiede. Dazu kam noch der Verkauf von Haushaltswaren, die Reparatur und der Verkauf von NSU-Motorrädern und Fahrrädern. Die Geschäftsaufgabe erfolgte im März 1973. Friedrich Kirchgeßner war auch der Wassermeister der Gemeinde Hettingen.

 

 

19.     Morrequelle

 

Morrestr.

 

Bis Ende der 1950 er Jahre diente die Morrequelle als Wasserspender für Mensch und Tier in der Gemeinde. 1927 wurde die Wasserleitung in jedes Haus gelegt. Die einzelnen Brunnen, am Latschari,e drüben in der Kellerei vor dem Haus Julius Blatz (heute Helga Ellwanger geb. Blatz) waren sogenannte Läufer, weil sie Tag und Nacht liefen, denn sie waren direkt mit der Morrequelle durch Holzrohre (Deucheln) verbunden. Einige andere Brunnen wie am Bildbuckel waren Pumpbrunnen die aber zwischenzeitlich alle eingeebnet wurden. Da der Wasserverbrauch immer mehr stieg durch Spül- WC, Waschmaschinen, neuere Badeinrichtungen usw. kam es zu Engpässen bei der Wasserversorgung. Im Wiesental links, etwa in Verlängerung der Jahnstraße, wurde gebohrt und ein neues Pumpenhaus gebaut und 1960 eingeweiht. Somit war dann die Wasserversorgung für längere Zeit gesichert. Doch durch Keime und Bazillen unterschiedlichster und bedrohlicher Art musste in den 1980er Jahren diese Wasserstelle aufgegeben werden. Man schloss sich dem Zweckverband Rheintal an, bis man nun letztendlich das kühle Nass von der Bodensee-Wasserversorgung erhält, die im Großen Wald am Rehberg einen mehrere Tausend cbm fassenden Wasserhochbehälter gebaut hat, von dem ein Großteil des Nordbadischen Raums sein Wasser erhält.

 

 

 

20.     Friedhof – Leichenhalle

 

Der Hettinger Friedhof musste 1950 erweitert werde, weil immer mehr Kaufgräber, die längeren Liegezeiten haben, von der Bevölkerung verlangt wurden. Die Leichenhalle wurde 1973 von Architekt Roland Müller geplant und in der Festwoche zur 1200-Jahrfeier der Gemeinde 1974 eingeweiht.

 

 

 

21. Kirche

 

 

 

Nach der Pfarreigründung 1353 dürfte eine stabile Kirche an die Stelle der älteren (wahrscheinlich hölzernen) „capella“ getreten sein – ein aus Bruchsteinen errichteter Bau im gotischen Stil mit spitzem Turm, einer Bauart wie man sie aus dem 14 Jh. von Nachbargemeinden kennt. Nachdem diese Kapelle baufällig und viel zu klein geworden war schrieb man schon 1748 nach Mainz, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohne, sondern ein Neubau ins Auge gefasst werden müsse. Es zögerte sich bis 1770 hin als erneut der Neubau wieder zur Sprache kam. Erst unter Pfarrer Jakob Arnhaisichder der seit 1772 in Hettingen war konnte            durch Maurermeister Schreiber aus Kleinwallstadt ein eingeschossiges Langhaus    18,25m x 10,60 errichtet werden. Die Kirche hatte über dem Chor ein   Dachreiter in dem die zwei Glocken der Pfarrgemeinde hingen, während hinten über dem Haupteingang ein kleiner Dachreiter mit einem Glöcklein der Gemeinde war.  1594 wird St. Markus als Kirchenpatron genannt.         1649 sind als Patrone Sankt Petrus und St. Paulus und St. Markus genannt.

1877 wurde die Innenkirche einer gründlichen Restaurierung unterzogen. 1898/99 wurde die Kirche durch zwei Seitenschiffe mit angegliedertem Glockenturm erweitert. (Pfarrer Karl August Sauer aus Höpfingen).1939 wurde von Baumeister Magnani (Vater des Pfarrers) der Vorbau vor dem Hauptportal mit Treppenaufgang zur Orgelempore geplant und gebaut. 1959 – 1971 wurde das Gotteshaus unter dem aus Werbach stammenden Ortspfarrer Robert Wohlfahrt einer grundlegenden Renovierung unterzogen. (Heizung, Instandsetzung Glockenturm mit neuer Turmspitze, neue Sakristei usw.) 1992 wurde eine neuerliche Außeninstandsetzung durchgeführt und 1997 das Kircheninnere neugestaltet.  1999/2004 erstellte der Altheimer Orgelbauer Joachim Bopp eine neue Orgel

 

 

 

22.     Magnanihaus – Spielplatz – Durchgang

 

Am Höhweg 2

 

 

 

Magnanihaus - Weg zur Kirche

 

Das ehemalige Schwesterhaus war abgewohnt und, weil baufällig,1936 abgerissen. Ersetzt wurde es durch einen mit großen Schwierigkeiten verbundenen Neubau (Federführung Pfarrer Heinrich Magnani) ersetzt und konnte schon im August 1937 eingeweiht. Es bot Wohnung für fünf Ordensschwestern, geräumige Räume für die Nähschule und den neu eröffneten Kindergarten sowie die Borromäusbücherei.  Bis 1977 wurde das Haus als Kindergarten genutzt, danach umgebaut, in Heinrich-Magnani-Haus umbenannt und nun als die gute Stube von der Pfarrgemeinde genutzt. Mit der Einweihung des neuen Kindergartens St. Odilia 1977 an der Schule konnte eine Zufahrtstraße zur Pfarrkirche ab 1979 ermöglicht werden.

 

 

 

23.     Rathaus – Schule- Gemeindebad – Jugendraum

 

Römerkastellstr. 2

 

 

 

Rathaus, ehemals Schule

 

Das 1774 errichtete Schulhaus, errichtet aus den Blauen Kalksteinen des Großen-Wald-Steinbruches ist ein Schmuckstück in der Gemeinde, denn es zeigt die vielfältigen Bearbeitungsarten der schwer zu bearbeitenden Blauen Kalksteinen durch die Hettinger Maurer. Um 1900 wurde der Anbau von weiteren zwei Lehrsälen getätigt, so dass die Schule im Grundriss ein L bildete. Nachdem die Schule einen Neubau erhielt, wird das Gebäude nach gründlichem Umbau als Rathaus der Gemeinde genutzt. Außerdem gibt es auch einigen Vereinen die Möglichkeit zur Nutzung verschiedener Räumlichkeiten. In den 1960er Jahren wurden im ehemaligen Kokskeller durch die Gemeinde öffentliche Wannenbäder zur Nutzung durch die Bürger eingerichtet, was sehr gut ankam. Da jedoch immer mehr   Häuser ein eigenes Bad besaßen wurde diese Einrichtung nicht mehr genutzt und die Räumlichkeiten konnte die Hettinger Jugend zum Treff nutzen.

 

 

 

24.  Paule Schmied   

 

 

 

Neue Buchener Str.  9

 

 

 

1909 gründete Wilhelm Müller eine Dorfschmiede in der Ortsmitte von Hettingen.1948 übernahm Heinrich Müller die Schmiede und eröffnete schon 1950 eine Shell-Tankstelle. 1966 wurde die Schmiede abgerissen, eine Kfz-Werkstatt mit Waschhalle gebaut und bis 1977 eine Simca-Vertretung geführt. 1976 wurde der Firmen-Standort mit einem Neubau an den westlichen Ortsausgang verlegt. 115 Jahre später haben sich aus der Dorfschmiede von damals zwei Autohäuser und eine Aral Tankstelle mit Car & Bike Center an drei Standorten entwickelt. (Hettingen, Erbach und Großwallstadt).

 

 

 

25.     Baulandschule

 

Ober dem Fahrweg 19

 

Früher wurde in vier unterschiedlichen Gebäuden im Ort unterrichtet: im alten Rathaus, im Jugendraum der Pfarrgemeinde (Pfarrscheuer) im Schwesternhaus und der Schule (heute Rathaus).                          

 

Mit der Einführung des 9. Schuljahres, weiterer Klassen durch die Einführung von Kurzschuljahren und teilweise Verschmelzung mit der  Schule Götzingen herrschte Raumnot, so dass ein Neubau unumgänglich war. Ober dem Fahrweg wurde eine neue Schule mit zwei Klassentrakten nach den Plänen von Architekt Rolf Ackermann, Mosbach, erbaut und 1964 eingeweiht.

 

 

26.     Kindergarten St. Odilia

 

Ober dem Fahrweg 21

 

Nach staatlichen Vorgaben musste pro Kind etwa 4 qm Spielfläche vorhanden sein, die im alten Kindergarten nicht ohne größere Baumaßnahme zu erreichen waren. Man wollte anbauen und erweitern. Doch da wurde von einigen ein Neubau ins Spiel gebracht, dem dann Pfarrer Robert Wohlfarth erst zustimmte, als er volle Rückendeckung durch den Erzbischöflichen Finanzdirektor Dr. Otto Bechtold, Freiburg hatte.  Der Hettinger Gemeinderat fasste in weiser Voraussicht auf die kommende Eingemeindung nach Buchen den Beschluss, sich zur Hälfte an den Baukosten zu beteiligen, was dann von der neuen Stadt Buchen auch eingehalten wurde. Im Herbst 1975 war Spatenstich durch Pfarrer Wohlfarth, im Juni 1977 feierliche Weihe und Inbetriebnahme durch Pfarrer Herbert Fuchs aus Götzingen, der Hettingen zu dieser Zeit zu betreuen hatte. Entworfen hat den Kindergarten, der der Namen der Ortspatronin St. Odilia trägt, der Hettinger Architekt Roland Müller, Er ist im Besitz der Pfarrgemeinde und hat sich durch mehrere Um- und Anbauten zu dieser vorbildlichen frühkindlichen Bildungseinrichtung entwickelt. Inzwischen aber platzt er aus allen Nähten und ein weiterer Umbau wird vorgenommen.

 

 

Jahreshauptversammlung Heimatverein Hettingen 2019
Vorschau

 

 

Autor: Gundolf Scheuermann

Heimatverein Hettingen 1968 e.V. 0